Hand auf´s Herz: Wer liest Newsletter? Wie schnell klickt man sie genervt in den elektronischen Papierkorb oder sucht nach dem „Abbestellen“-Button – wenn es den denn gibt. Trotzdem wollen die meisten Unternehmen Newsletter verschicken. Also, was hat es mit diesen Newslettern auf sich?

„Newsletter sind per E-Mail periodisch versendete Nachrichten, die zielgruppenspezifische Informationen enthalten.“
(Quelle: Gabler Wirtschaftslexikon 2013)

Periodisch heißt übersetzt: Wie oft will mein Kunde etwas wirklich Nützliches(!) von mir, dem Unternehmen seiner Wahl, hören?
Ja, an der Stelle darf man innehalten und kurz über die Inhalte der eigenen, zuletzt verschickten Newsletter nachdenken.

Zielgruppenspezifische Informationen enthalten Newsletter leider nicht immer, das erlebt man selbst fast jeden Tag. Daher lohnt es sich, die Bedürfnisse meiner Kunden zu erfragen: im direkten Gespräch, im Newsletter selber, auf Facebook, auf der Webseite, und dann meinen Verteiler einer harten Prüfung zu unterziehen: Sind zu viele Empfänger dabei, die nur im weitesten Sinne mit meinem Unternehmen zu tun haben (meine Bank, mein Immobilienberater, meine Autowerkstatt), ist es allerhöchste Zeit auszusortieren.

ZIEL
Ziel meines Newsletters ist es (natürlich!), den Empfänger für mein Produkt/Dienstleistung zu begeistern und ihn letztendlich zum Kauf zu animieren. Daher muss ich mich fragen, welches Ziel ich mit dem Versand meines Newsletters genau verfolge. Wird mein Kunde meine Dienstleistung/mein Produkt wirklich kaufen bzw. mir treu bleiben, weil er regelmäßig meinen Newsletter erhält? Kann ich meinem Kunden durch meinen Newsletter tatsächlich einen Mehrwert bieten – oder nerve ich ihn damit nur?
Das ist DIE zentrale Frage und muss unbedingt ehrlich beantwortet werden!

Am besten, man fragt sich aus Kundensicht: Warum soll ich als Kunde diesen Newsletter abonnieren und auch wirklich lesen? Was habe ich davon? Bekomme ich auf diesem Wege einen Rabatt, eine Information, einen Tipp, den ich sonst nirgendwo bekomme? Nicht auf deren Webseite, nicht von deren Hotline, nicht während der Messe?

Und wenn ich mir als Unternehmer ein Ziel mit meinem Newsletter setze, dann muss ich auch kontrollieren können, ob ich es auch erreicht habe. Ich brauche also ein Kontrollinstrument, sonst macht der Aufwand eines Newsletters wenig Sinn. Es muss also in irgendeiner Form messbar sein, ob sich meine Kunden für meinen Newsletter interessieren (steigen die Anmeldungen?) und was die Empfänger mit meinem Newsletter machen (klicken sie auf die angebotenen Links?).
Der Einsatz eines Newsletter Software Tools ist daher dringend empfohlen.

VORTEILE vs. RISIKEN

Newsletter sind:
•    (relativ) kostengünstig
•    schnell und unkompliziert zu erstellen
•    planbar
•    flexibel
•    interaktiv
•    individuell

Die These, Newsletter seien als Medium längst tot, da sie von Social Media abgelöst oder verdrängt werden, werden durch aktuelle Zahlen hinreichend widerlegt.
E-Mail ist nach wie vor das absolute Medium Nr. 1 in der Kommunikation und legt weiter zu, insbesondere, da E-Mail inzwischen per Smartphone ständig zur Verfügung steht.

Aber Newsletter sind auch:
•    rechtlich mit weitaus mehr Vorsicht anzuwenden, als die meisten annehmen (siehe unten)
•    schnell im Spam verschwunden bzw. achtlos weggeklickt
•    in der Erstellung meist unterschätzt

Dazu ein paar interessante Zahlen:

-> 9 von 10 Newslettern aller weltweit versandten E-Mails sind Spam, denn 90% des heutigen Mailtransfers werden von Maschinen generiert – nur 10% von Menschenhand. (oha!)
-> 67 % aller E-Mail Nutzer in Deutschland bekommen mindestens 1 unerwünschte E-Mail am Tag. (echt? nur?!)
-> Die Mehrheit der Nutzer empfindet etwas ganz anderes: Es werden ständig mehr. (ganz genau!)

RECHTSLAGE
Folgendes muss man wissen, wenn man Newsletter verschickt:

Laut §7 UWG (Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb) ist kein Versand eines Newsletters / einer E-Mail ohne Einwilligung des Empfängers erlaubt. Jede E-Mail, die nicht ausdrücklich bewilligt ist, ist abmahnfähig; hierbei gilt auch eine jahrelange Duldung einer ungenehmigten Zusendung nicht. Und das gilt allen Ernstes auch für interne Newsletter!
Man darf an der Stelle durchaus bezweifeln, dass Mitarbeiter ihren eigenen Arbeitgeber wegen der Zusendung eines Newsletters verklagen, aber die Rechtslage würde es theoretisch hergeben (vorbehaltlich einer Rechtsberatung).

Sollte es tatsächlich zu einer rechtlichen Auseinandersetzung vor Gericht kommen, muss die Einwilligung des Empfängers nachweisbar sein. Hierbei gilt eine E-Mail als zu schwach, nur ein persönlich unterschriebenes Dokument gilt als eindeutig. Auch das sog. Double-Opt-In Verfahren (Eintrag der eigenen Mail Adresse in Newsletter-Liste, Abfrage per Mail, Bestätigung durch Klicken eines Links) gilt nur dann, wenn es dokumentiert werden kann.

Klingt schlimm, ist auch rechtlich wirklich so, ABER wir reden hier von einem Fall, der vor Gericht verhandelt wird. Ja, es gibt Anwälte, die gerne ihr Geld durch Abmahnungen verdienen und ja, es sind schon Fälle vor Gericht verhandelt worden. Daher ist es eindeutig besser, man vergewissert sich bei seinen Newsletter Lesern, dass sie den auch wirklich bekommen wollen. – Nur, wer Böses will, rennt zum Anwalt bzw. zieht vor Gericht.

Folgende Gesetze seien hierzu genannt:

•    § 4/1 Bundesdatenschutzgesetz: Keine Nutzung personenbezogener Daten ohne Einwilligung des Betroffenen
•    §3a Bundesdatenschutzgesetz: so wenig personenbezogene Daten wie möglich („Datensparsamkeit“)
•    § 6/2 Telemediengesetz: Absender und kommerzieller Charakter in Kopf- und Betreffzeile dürfen nicht verschleiert werden
•    § 5/1 Telemediengesetz: Impressumspflicht besteht auch im Newsletter, Link zur Webseite reicht nicht aus (gilt auch für Soziale Medien!)

TIPPS

1) Emotion ist alles: Ein Mensch entscheidet IMMER emotional und braucht dann im Schnitt 7 Sekunden, um sich eine rationale Begründung für seine Entscheidung einfallen zu lassen (Prof. Dr. Ernst Pöppel sagt das).

2) Irgendwie albern, aber wahr: Der Mensch hört seinen eigenen Namen am liebsten. Also spreche ich ihn auch in meinem Newsletter am besten mit seinem Namen an. Mehrmals.

3) Um gelesen zu werden, sollte man die Betreffzeile des Newsletters nutzen: Wer klickt schon mit Spannung auf eine E-Mail „Newsletter 04/2013“ ? Besser: „Mit Qigong durch den Advent: Neue Kurse, jetzt zum Frühbucherrabatt!“

4) Die meisten E-Mail Systeme blockieren Bilder. Wenn sich also jemand für meinen Newsletter anmeldet, sollte ich ihn bitten, dass er mein Unternehmen in sein Adressbuch aufnimmt.
Nur so werden die Bilder automatisch mit geladen und mein Newsletter sieht beim Empfänger hübsch aus – ohne rote Kreuzchen im rechten oberen Eck.

5) Gewinnspiele sind die absolute Pest, um Adressen für den Newsletter zu generieren. Niemand mag sie, jeder weiß, dass es nur darum geht, Adressen abzugreifen. Bleiben lassen!

FAZIT
Wer sich die Mühe macht, Newsletter an seine Kunden zu verschicken, sollte sich die o.g. Punkte zumindest mal durchlesen und sich dann den eigenen Newsletter noch einmal sehr kritisch anschauen. Es gibt mit Sicherheit etwas zu verbessern!
Und wer nicht die Zeit/Ressourcen hat, einen tollen, personalisierten, durchdachten und pfiffig durchformulierten Newsletter mit sagenhaftem Mehrwert zu produzieren bzw. hierfür kein Budget zur Verfügung hat, um Profis anheuern zu können, der darf sich den Newsletter auch gerne sparen. Nicht, weil es nichts bringt, sondern weil weitaus mehr Arbeit dahinter steckt, als man auf den ersten Blick vermutet (und zwar nicht nur einmal – siehe oben: periodisch). Denn eines ist klar: Ein lieblos zusammen gezimmerter Newsletter an einen weit gestreuten Verteiler sorgt nicht unbedingt für Freunde im Markt. Ein professionell aufgezogener Newsletter dagegen, der dem Leser echte Nachrichten und einen Vorteil bringt („wenn Sie über diesen Link bestellen, bekommen Sie 10% Weihnachtsrabatt auf Ihre Online Bestellung“), kann einen Kunden durchaus locken.
Dann vergisst er vermutlich auch, dass er sein Einverständnis zum Empfang dieser E-Mail nur per Klick und nicht per Unterschrift gegeben hat.